Donnerstag, 16. Juli 2026

Rainer Hässelbarth


Einer von uns

                


Mit Rainer Hässelbarth ist nach langer Krankheit ein guter Freund und unermüdlicher Macher unseres BDFA am 6. Juli 2026, kurz nach seinem 84. Geburtstag, von uns gegangen. Dieser Verlust schmerzt uns sehr.

Rainers aktive Rolle in der Filmergemeinschaft begann mit der Gründung des Amateurfilmclubs AFC Bewag 1972 in Berlin, der sich 1978 zum AFC Energie umbenannte. Der erste Film „Was wäre, wenn…“, gedreht auf Super 8, zeigte die Vision eines stromlosen Berlins. Ab 1976, der Betrieb hatte die 16-mm-Technik spendiert, entstanden 59 Dokumentar- und satirische Kurzfilme bis zum Ende der DDR.

Einer der erfolgreichsten Filme und typisch für das Wirken des Clubs war: „Ist der Ofen aus?“, der in besonderer Weise die menschliche Seite der Stilllegung der letzten Gaskokerei erfasste. Der 1982 entstandene Film lief auf der UNICA 1989 in Baden-Baden und beim Südwestdeutschen Rundfunk.

Rainer hat mit mir 1988 die Amateurfilmwende in der DDR angeschoben. Wir wollten mit anderen Clubleitern die festgefahrenen Strukturen aufbrechen, was dann am 31.  März 1990 mit dem selbstbestimmten Verband „Bund der Film- und Videoamateure der DDR“ gelang. Ein Jahr später erfolgte der Zusammenschluss mit dem BDFA. 

Bei der Neuwahl des BDFA-Vorstandes 1991 in Bad Hersfeld wurde Rainer Hässelbarth als 2. Vorsitzender des Bundesverbandes gewählt und konnte in den ersten gemeinsamen Jahren seine „Ost-Erfahrungen“ einbringen.

In Erinnerung wird Rainers Wirken mit tschechischen Filmfreunden bleiben, die über viele Jahre gemeinsam Filme schufen und eng verbunden waren. Seine seit 1974 bestehenden Beziehungen zum Filmstudio Usti nad Labem (Aussig) zeitigten ein beachtliches Filmergebnis: „Wir müssen laut schreien“, war eine sensible Dokumentation über ein Massaker an Deutschen während ihrer Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg.

Maßgeblich inspiriert und organisiert durch Rainer Hässelbarth startete der Club als „ars cinema berlin e.V.“ 1995 ein Kurzfilmfestival unter dem Motto „Ein Fenster zum Osten – Nachbarn bei Freunden“, ab 2005 mit UNICA-Flair als internationales „Berliner Film Fenster – Grenzenlos“. In 23 Jahren gelang es ihm, Kontakte zwischen Ost und West in Europa zu knüpfen und zu festigen.

Nicht zu vergessen ist Rainers Unterstützung zur Rettung des über 100jährigen Kinos „Toni“ in Berlin, dem Veranstaltungsort unserer Filmfestivals. 2006 gründete er den „Verein der Freunde des Kinos Toni e.V.“, dessen Vorsitzender er 15 Jahre lang war.

Rainer war ein unermüdlicher Gestalter und Organisator unseres Verbandes, Kumpel und immer für uns da. Wir werden ihn sehr vermissen.

Dr. Frank Dietrich

 

 

Erinnerungen an das "West-Östliche Filmfestival 2016", festgehalten von der Redaktion "mittenmang