Ein
Vierteljahr nach seinem 92. Geburtstag verstarb am 15. August 2018 der
Begründer des Filmfestivals Eulenspiegeleien und langjährige Vorsitzende der
FiViA Berlin Hans-Werner Tzschichhold.

Als Mitarbeiter der Redaktion der Zeitschrift Eulenspiegel engagierte er sich
Mitte der sechziger Jahre für die Schaffung eines Amateurfilmwettbewerbs für
Humor und Satire. Er organisierte und leitete die ersten Veranstaltungen
zunächst in Aue, seit 1974 dann in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Der Ortswechsel
wurde notwendig, weil inzwischen über 300 Teilnehmer Platz brauchten. Das
Festival begeisterte die Filmer in der DDR, auch weil hier durch die filmische
Blume Kritik geübt werden konnte. Was den Zuschauern diebische Freude
bereitete, zwang die Festivalverantwortlichen mitunter zu einem ideologischen
Spagat.
Nach der Wende waren es vor allem erneut Hans-Werner Tzschichhold und
seine Ehefrau Sigrid, die die Eulenspiegeleien in die Marktwirtschaft führten.
Außerdem setzten sie sich für neue organisatorische Strukturen der Amateurfilmbewegung
ein. Es war die Zeit, als in Ostberlin die bisherigen Betriebsfilmstudios und
Filmgruppen unterschiedlichster Trägerschaft aufgelöst wurden. Die
Filmenthusiasten sammelten sich unter der Bezeichnung Film und Videoamateure
(FiViA), gründeten 1991 einen Verein und traten dem BDFA bei. Im selben Jahr
wurde Hans-Werner Tzschichhold zum Vorsitzenden der FiViA gewählt. Erfolgreich
gelang es ihm, beste Beziehungen zu allen Westberliner Filmclubs herzustellen
und die FiViA im Berliner Landesverband zu integrieren. Einen großen Anteil
daran hatte die Fortführung des Filmfestivals für Humor und Satire, zunächst in
Bad Saarow und später in Berlin. Unter seiner Leitung wurden die
Eulenspiegeleien international, erhielten das Patronat der UNICA und wurden
offizieller Sonderwettbewerb des Bundesverbandes Deutscher Film-Autoren (BDFA). Nach der 25.
„Eule“ im Jahr 1999 gab er altersbedingt die Festivalleitung ab, wirkte aber
bis zum 40. Jubiläum vor drei Jahren immer aktiv am Gelingen des Festivals mit.
Alle die ihn kannten, werden Hans-Werner Tzschichhold mit seiner
unverwechselbaren liebe- und humorvollen Art, seiner Kreativität,
Beharrlichkeit und seinem Optimismus in Erinnerung behalten. Er wird uns sehr
fehlen.
Ralf Köthnig/FiViA Berlin