Vom 13. bis 15. April 2018 fanden in Senftenberg im
Theater neue Bühne
die Jubiläumsveranstaltungen statt.
Jubiläum in Senftenberg mit „Lieblingen“.
Eine große Fangemeinde der Videofilmer Senftenberger, aber auch Neulinge trafen sich vom 13. Bis 15. April, um nicht nur Filme zu schauen, sondern vor allem einen Club zu ehren.
Seit seinem Bestehen sind die Senftenberger nicht nur sehr fleißige und erfolgreiche Filmer – national und international -, sondern auch Veranstalter und gute Gastgeber.
Neben guten Filmen gab es auch jedes Mal kulturelle, künstlerische, technische, architektonische und auch landschaftliche Highlights. Dafür unser aller Dank.
Für ihr großes Engagement auch für die Stadt und das Theater wurde der Club als „Verein des Jahres 1916“ ausgezeichnet. Angefangen vom „Kurzen Achter", "5-Minutencup" und den Filmfesten „Wein, Weib und Gesang“ bis zu den zwei Jubiläen an diesem Wochenende.
Der Eröffnungstrailer zeigte, was uns immer erwartetet hat: Bewegende Momente, faszinierende Landschaften, fremde Kulturen, aufregende Abenteuer und unsere Heimat.

Die 10. Kurzfilmtage wurden erwartungsgemäß vom Schirmherren, Bürgermeister Andras Fredrich, am Freitag eröffnet. Dazu hatten 16 Autoren entsprechend dem Motto ihren „Lieblingsfilm“ eingereicht, um den begehrten Senftenberger Findling in Gold, Silber oder Bronze zu erhalten.
War ich schon im letzten Jahr beim Thema “Leidenschaften“ sehr überrascht über die Vielfalt, mit denen sich die Autoren beschäftigen, so war meine Erwartungshaltung diesmal noch viel größer.
In sechs Filmen reiste ich auf Grund schöner Bilder und interessanten Informationen mit. In Namibia lernte ich entspannte Nachbarn – den Stamm der Himbas - kennen, wo die Frauen zwei Stunden für ihre außergewöhnliche Haartracht brauchen und ihre verkauften, selbstgebastelten Souvenirs der ganzen Gemeinschaft zugutekommen. Ich sah auf über 4000 m Höhe am Rande der Atacama-Wüste sehr schöne Bilder von Geysiren, deren Wasser bei -15 Grad erstarrte und faszinierende Landschaft. Ich erfuhr mit sensationellen Aufnahmen Interessantes über Seelöwen, Rotfußkormorane, Pinguine und Orcas an Patagoniens Küste. Ich freute mich mit den Stammesmitgliedern, die Robertina aus der Stadt zurückerwarteten, und deren Kinder in die Schule gehen. Über die kleine bretonische Insel Sein im Atlantik, in einer Stunde Überfahrt erreichbar, wurden nicht nur meine geografischen, sondern die geschichtlichen Kenntnisse erweitert. Sie wurde durch einen Aufruf am 18. Juni 1940 berühmt, als Deutschland Frankreich besetzt hatte und ein französischer General aus London um Hilfe bat. Alle Fischer der Insel folgten, und seitdem nannte Charles de Gaulle die Insel „Ein Viertel Frankreich“. Angeregt durch ein altes Buch über die Hallig Hooge erfüllte sich die Urlauberin einen lang gehegten Wunsch. Sie fuhr hin und sprach u. a. mit dem Lehrer, Pfarrer, Kapitän und Hafenmeister über das Besondere auf einer Hallig. Ihre Fragen wurden gern beantwortet. Der Kapitän der „Annemarie“ entsorgt regelmäßig den Klärschlamm, und der Hafenmeister erhielt 1913 die „Goldene Ringelnatzfeder“, weil er das Leben und die Geschichten der Hallig Hooge mündlich auf Speicherkarten festhält. Ihr Mann setzte das alles in schöne Bilder um.
Mit einer sehr guten Kameraarbeit und in schwarz-weiß erzählte der Film „Zmij“(Der Drache) ein Stück deutsch-sorbischer Geschichte aus dem Jahre 1938 und eine alte Sage. Als sorbische Schule und Sprache verboten war, wünscht sich das kleine Mädchen in sorbischer Sprache (mit Untertiteln) von dem Drachen, der Glück bringen soll, Kleinigkeiten, die Andere schon besitzen.
In einem Doku-Märchen wurden einem alten Wasserturm die Geheimnisse entlockt. Das Schicksal eines Königspaares und seiner Tochter, mit einer Anleihe an Aschenputtel, aber auch die Gedanken und Aktivitäten um die Zukunft des Turmes.
Ich sah die Geschichte von der Entstehung der großen 76 t schweren Granitschale, die seit 1831 vor dem Alten Museum in Berlin steht und die Verwandlung des Schauspielers in Mephisto für die Aufführung an der neuen Bühne Senftenberg.
Dass Wien schon seit dem 19. Jh. Hochburg für Schneckenliebhaber ist, war auch neu für mich. In schönen Großaufnahmen, einer unterstützenden Musik und einem interessanten Kommentar wurde der Prozess der Züchtung und der Verwertung dynamisch und optisch beeindruckend gezeigt. Zwei Jahre fressen die Weinbergschnecken bis sie etwa 10 cm groß sind. Es gibt sogar Kaviar von ihr.
Ein dramaturgisch gut umgesetzter Spielfilm war die Geschichte der Angst eines Vaters vor Terror am Geburtstag seiner Tochter.
„Ein Bayrischer Traum“ war es nicht, dass eine Gemeinschaft für den Festumzug 175 Jahre Friedrichsfehn fleißig handwerkelte, um auf einem Bierwagen mit allem Drum und Dran mitzufahren. Mit einer guten Bildsprache und spielerisch umgesetzt. Hier hätte ich mir für das Plattdeutsche manchmal auch Untertitel gewünscht.
Schön war auch der Traum des Hundes im Auto von seinem Mountainbike fahrenden Herrchen durch den Wald mit einer sehr dynamischen Kamera und schnellen Schnitten.
Die Doku von einem Müller und seiner Bockwindmühle in Berlin kam ohne Kommentar aus, O-Ton, Geräusche und passende Musik.
Vor Beginn des 25. Deutschen Minutenwettbewerbs am Sonnabendvormittag sprach der Intendant des Hauses, Manuel Soubeyrand. Zwischen den Zitaten von Schiller „Kunst ist die Tochter der Freiheit“ und Shakespeare „Wir sind vom gleichen Stoff, aus dem die Träume sind, und unser kurzes Leben ist eingebettet in einen langen Schlaf“ hob er zum Jubiläum die vielen Aktivitäten der Videofilmer Senftenberg hervor und verkündete, dass auch in der nächsten Dekade der Club mit seinen Wettbewerben eine feste Heimstadt in der neuen Bühne hat. In einer sehr überzeugenden kleinen Lektion in Sachen Demokratie und Theater betonte er, Theater braucht Demokratie. Es ist der Ort für Freiheit und Möglichkeit. Was auch auf die Kunst des Filmens zutrifft

Zu ihrem Jubiläum hatten sich die Viedeofilmer Senftenberg eine Vielzahl von Filmen gewünscht. Dieser Wunsch wurde erfüllt. Ein Autor schickte sogar fünf Beiträge, und die Ausrichter selbst beteiligten sich mit neun Filmen. So hatten Teilnehmer und Besucher die große Aufgabe, 47 Minutenfilme mit Punkten 1-5 zu bewerten, um die besten für das Finale der 16 zu bestimmen. Die meisten Beiträge waren erzählte Geschichten über aktuelle Tagesthemen - von der Mitgliederwerbung für den BDFA, die Genterfrage, das Auto der Zukunft, das Smartphone, der mitdenkende Drucker oder Way of live in den USA. Es konnte aber auch über menschliche Schwächen und Missverständnisse gelacht werden. Alltagsbeobachtungen und kreative Experimente waren dabei.
Zu den diesjährigen DAFF in Rain am Lech haben es folgende Filme geschafft:
- Abnehmen von Wolfgang Jahn, Senftenberg
- Wunderland bei Nacht von Dr. Frank Dietrich, Kleinkoschen
- Glück im Unglück von Dietmar Schürtz, Berlin
- Ohne Gnade von Dr. Frank Dietrich, Kleinkoschen
- …oder so von Wolfgang Merz, Roetgen
- Morgenstund von Hans-Jürgen Schekahn, Edewecht
- Ein guter Deal von Dr. Cord Restorff, Karlsruhe
- Knöllchen von Videofilmer Senftenberg
Diesjähriger Minutenmeister und Gold wurde "Wunderland bei Nacht" von Dr. Frank Dietrich, Kleinkoschen
Silber: "Knöllchen" von Videofilmer Senftenberg und Bronze: "Abnehmen" von Wolfgang Jahn, Senftenberg und "…oder so" von Wolfgang Merz, Roetgen,
Wie die Ergebnisse zeigen, haben sich die Videofilmer Senftenberg wiederum als erfolgreiche Spezialisten in diesem Genre bestätigt.
Die Siegerehrung am Sonntag fand, wie gewohnt, wieder an einem besonderen Ort statt. Nach einer Besichtigung des neuen Stadthafens in Großräschen wurden im dortigen Zielhaus bzw. Haus des Hafenmeisters bei Sekt und Schmalzstullen die Trophäen und Urkunden überreicht.
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Kunstpreis
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Für den Kunstpreis bei den Minutenfilmen wurden nominiert:
- Erleuchtung von Dr. Helmut Ludwig, Düsseldorf
- Landleben von Günter Fischer, Berlin
- Herzchen von Dennis Gerecke, Berlin.
Den Kunstpreis erhielt „Erleuchtung“ von Dr. Helmut Ludwig, Düsseldorf
Allen Gewinnern und Nominierten herzlichen Glückwunsch.
Ein Filmfest in Senftenberg ist ohne etwas für die Ohren undenkbar. So erfreuten uns Richard Schönfelder, Lehrer an der Musikschule Cottbus, mit seiner Sologitarre und die fünf Lausitzer Hangfichten mit alpenländischer Musik auf ihren Alphörnern. Im Rangfoyer hörten wir aufmerksam sechs Schauspielern bei der Lesershow „Utoya“ zu. Um die Ereignisse des Attentats im Osloer Regierungsviertel und auf der norwegischen Insel, auf der es im Feriencamp 77 Opfer gab, rangen sich die unterschiedlichen Auffassungen eines Ehepaars, von Bruder und Schwester auf einem Bauernhof und zwei Polizisten auf einer Station. Auf einem kleinen runden Tisch lagen zahlreiche Handys, die die Insel und die umgekommen Jugendlichen darstellen sollten.
Für das gelungene Jubiläumswochenende möchte ich dem Filmclub herzlich danken. Um es mit den Worten des - nun schon seit sechs Jahren agierenden und immer mit guten Sprüchen bei der Hand - Festivalleiters Michael Franke zu sagen: Jeder hat das gemacht, was er kann. Und ich finde es war sehr gut.
Die internationale Drei-M-Jury – mit Monika Hašková aus Prag, Maren Simoneit von der neuen Bühne und Manfred Hennig, Videofilmer Senftenberg – hatte es unter der Leitung von Dr. Frank Dietrich nicht leicht die Gewinner der Findlinge zu wählen.
Nominiert dafür wurden 8 Filme:
- Robertina von Dr. Cord von Restorff, Karlsruhe
- Ziemlich entspannte Nachbarn von Maria Gockel, Mühlheim-Ruhr
- Hallig Hooge – meinerseits von Hans Hickisch, Berlin
- Wiener Auster von Erwin Sprenger, Wien
- Zmij (Der Drache) von Angela Schuster, Lohsa
- Eis und heiß – auf hohem Niveau von Toni Ackstaller, Ebersberg
- Patagoniens Küstenbewohner von Erich Herold, Singen
- Das Geheimnis des alten Wasserturms von Dr. Helmut Ludwig, Düsseldorf
Die Gewinner des Senftenberger Findlings
- in Gold: Patagoniens Küstenbewohner von Erich Herold, Singen
- in Silber: Zmij (Der Drache) von Angela Schuster, Lohsa
- in Bronze: Wiener Auster von Erwin Sprenger, Wien
Der nächste
Deutsche Minutenwettbewerb findet am 16. Februar 2019 statt.
Einsendeschluss ist der 24. Januar 2019. Also liebe Filmer, seid wieder
recht fleißig. Die Senftenberger danken euch, und wir freuen uns drauf.
Uschi Wicke, ars cinema berlin