Sonntag, 28. Oktober 2012

21. Internationaler Videoclip Wettbewerb – ein rundweg gelungenes Festival

Das „Theater am Park“ (TaP) letztes Überbleibsel des alten NVA-Filmstudios der DDR, war die Vorführstätte des 21. Jahrganges. Letztlich berührt es mich immer wieder, dieses brachliegende Gelände zu sehen. Wie lautete es im Einigungsvertrag? Die Produktionen des 1960 gegründeten Armeefilmstudios, des späteren Filmstudio der NVA gehen mit seiner Auflösung 1991 in das Eigentum des Bundesarchivs über. Sämtliche Mitarbeiter, fast nur Zivilangestellte, wurden entlassen. Die Bagger rollten an, die Bundeswehr hatte keine Verwendung. Millionenwerte wurden zerstört. Nur das Klubhaus überlebte. Hier gastierte damals das „Erich-Weinert-Ensemble“ der NVA. Die Älteren unter uns werden sich erinnern. Dringend sanierungsbedürftig – für Kultur ist ja kein Geld da – bot es eine ausgezeichnete Videoprjektion mit einem kräftigen Sound. Letzteres sehr wichtig für die Art der Veranstaltung.
Wie heißt es so treffend im Programm? „Viel Herzblut legen wir in die Organisation und Ausrichtung…“ Das kann man nur bestätigen. In seiner ungezwungenen und lockeren Art moderierte Dietmar Schürtz im Wechsel mit Sigrid Tzschichhold die Filmvorführungen.
35 Filme fanden den Weg ins Programm. Und die Jury hatte Schwerstarbeit zu leisten.
Filmbewertungen sogar zwischen 1 und 6 waren die Folge. Warum diese Differenz? Ich denke, das hat auch etwas mit dem Begriff „Videoclip“ zu tun. Was sagt Wikipedia? Videoclips sind bis zu einigen Minuten lange audiovisuelle Sequenzen. Der Begriffsteil Clip deutet hier auf einen Ausschnitt aus einem größeren Film; heute sind es jedoch oft eigenständige Werke.  In den Ausschreibungen steht etwas von Musik und Bild ist gleichwertig. Ist das nun ein „Musik-VideoClip-Wettbewerb“?  Wenn ja, sollte es dann auch so bezeichnet werden, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Es ist ja für einen Filmemacher nicht gerade prickelnd, wenn die Bewertung seines Filmes zwischen 1 und 6 schwankt. Das alles soll keine Kritik sein, eigentlich auch nur ein Denkanstoß. Sollte ich schief liegen, vergesst es.
Medaille des Weltverbandes UNICA
Bemerkenswert war doch die Anzahl der eingereichten Filme von jungen Leuten. Hier zeigte sich auch die unterschiedliche Interpretation des Begriffes Videoclip. „Hey yoko ono“ von Xberg Baboons, dahinter verbergen sich 3 junge Frauen: Jiga, Halbausländerin, kam nach Deutschland in einer Kiste von Afrika an, Eva, geboren in Jerusalem und Masumi, sie kommt aus Japan, also alle unterschiedlicher Herkunft. Eine futuristische Electro-Trance-Crew aus Kreuzberg. Das Überbrücken nationaler, kultureller und religiöser Unterschiede durch die Musik ist ihr Ziel. Dieses Musikvideo wurde an einem Tag an 6 Positionen in Berlin gedreht. Ein toller Song - der in die Beine geht und im Ohr bleibt! Und die verdiente Auszeichnung: Die UNICA-Medaille des Weltverbandes.
Auch die beiden anderen Filme, „02871“ und „Better N Better“, waren sehenswert. Es wäre wünschenswert, diese Truppe mit ihren Filmen nächstes Jahr wieder zu sehen.


Den Publikumspreis errang Eberhard Andrä mit seinem Beitrag „Manamana“, eine durch und durch gelungene Animation nach dem gleichnamigen Song, bestimmt vielen bekannt aus der Muppets-Show als „Mana Mana“-Lied. Hier wurden eine Katze und eine Maus animiert. Toll gemacht.

Natürlich gab es auch die Hauptpreise: eine Gold-, Silber- und eine Bronzemedaille des BDFA.

„Kino Rhapsody“ von Cédric Le Doré aus Frankreich erhielt 53 Punkte, der Beitrag „A“, ebenfalls von Cédric Le Doré 52 Punkte und Igor Goryunov aus der Tschechischen Republik, der Vorjahres-Gewinner, mit dem Film „Rache (Revenge – tsch. „POMSTA“)“ 50 Punkte. Die komplette Übersicht ist bei der FiViA ersichtlich.
Die BDFA-Medaillen







Danke an alle Beteiligten für die interessante Filmschau und – auf ein Neues 2013.

Eine kleine Randbemerkung sei mir noch gestattet. Das Plakat fand ich sehr gelungen. Nur warum keine Logos des Landesverbandes oder/und des BDFA, also des Dachverbandes zu sehen waren, hatte mich doch verwundert. Zumal ja der Dachverband die Medaillen gestiftet hat. 
Auch ein Drehorgelspieler sorgte am Anfang und dann auch im Saal für eine gelungene Überraschung. Dietmar Schürtz ließ es sich nicht nehmen auch einmal zu drehen. Es war gar nicht so einfach, den Takt zu halten. Nischt nur mit Nuddeln!
Auch die Pausenversorgung neudeutsch Catering war ohne Beanstandungen. Auch hier ein Dank an die Damen und Herren.
Diesmal beglückte uns als kultureller Einschub keine Tanzgruppe, sonder ein Artistik-Eleve der "Staatlichen Ballettschule Berlin und Schule für Artistik". Faszinierned was er mit seinem Reifen anstellte. In seinem kurzen Statement erklärte er Dauer und Umfang seiner Ausbildung.

Fazit: Noch nie waren so viele Zuschauer beim VideoClip-Wettbewerb: Über 100 Interessenten und noch bemerkenswerter, es waren auch viele junge Leute im Saal. Manche nur zeitweilig, aber das ist ja auch bei sogenannten "A-Festivals" so üblich.
Auch Vertreter des Kulturamtes Marzahn-Hellersdorf ließen sich die Veranstaltung nicht entgehen. Die FiVia bedankte sich auch bei ihnen für die große Unterstützung. Ist ja in anderen Bezirken dieser Stadt nicht gerade üblich.
Didi, auch von dieser Stelle Dank an Dich und Deine Mitstreiter.



 






Fotos: Jürgen Haase

Foto: Günter Fischer