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Dienstag, 28. August 2018

Nachruf Hans-Werner Tzschichhold

Ein Vierteljahr nach seinem 92. Geburtstag verstarb am 15. August 2018 der Begründer des Filmfestivals Eulenspiegeleien und langjährige Vorsitzende der FiViA Berlin Hans-Werner Tzschichhold.

Als Mitarbeiter der Redaktion der Zeitschrift Eulenspiegel engagierte er sich Mitte der sechziger Jahre für die Schaffung eines Amateurfilmwettbewerbs für Humor und Satire. Er organisierte und leitete die ersten Veranstaltungen zunächst in Aue, seit 1974 dann in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Der Ortswechsel wurde notwendig, weil inzwischen über 300 Teilnehmer Platz brauchten. Das Festival begeisterte die Filmer in der DDR, auch weil hier durch die filmische Blume Kritik geübt werden konnte. Was den Zuschauern diebische Freude bereitete, zwang die Festivalverantwortlichen mitunter zu einem ideologischen Spagat. 

Nach der Wende waren es vor allem erneut Hans-Werner Tzschichhold und seine Ehefrau Sigrid, die die Eulenspiegeleien in die Marktwirtschaft führten. Außerdem setzten sie sich für neue organisatorische Strukturen der Amateurfilmbewegung ein. Es war die Zeit, als in Ostberlin die bisherigen Betriebsfilmstudios und Filmgruppen unterschiedlichster Trägerschaft aufgelöst wurden. Die Filmenthusiasten sammelten sich unter der Bezeichnung Film und Videoamateure (FiViA), gründeten 1991 einen Verein und traten dem BDFA bei. Im selben Jahr wurde Hans-Werner Tzschichhold zum Vorsitzenden der FiViA gewählt. Erfolgreich gelang es ihm, beste Beziehungen zu allen Westberliner Filmclubs herzustellen und die FiViA im Berliner Landesverband zu integrieren. Einen großen Anteil daran hatte die Fortführung des Filmfestivals für Humor und Satire, zunächst in Bad Saarow und später in Berlin. Unter seiner Leitung wurden die Eulenspiegeleien international, erhielten das Patronat der UNICA und wurden offizieller Sonderwettbewerb des Bundesverbandes Deutscher Film-Autoren (BDFA). Nach der 25. „Eule“ im Jahr 1999 gab er altersbedingt die Festivalleitung ab, wirkte aber bis zum 40. Jubiläum vor drei Jahren immer aktiv am Gelingen des Festivals mit.

Alle die ihn kannten, werden Hans-Werner Tzschichhold mit seiner unverwechselbaren liebe- und humorvollen Art, seiner Kreativität, Beharrlichkeit und seinem Optimismus in Erinnerung behalten. Er wird uns sehr fehlen.
 
Ralf Köthnig/FiViA Berlin