Am 14. März war es wieder soweit. Im alt-ehrwürdigen Kino TONI in Berlin-Weißensee konnte das 20. KurzFilmFestival „Nachbarn bei Freunden“ stattfinden.Natürlich stand ein Dankeschön an die Chefin des Kinos, Frau Manuela Miethe, an vorderster Stelle. Immerhin konnte der große Saal und die digitale Vorführtechnik genutzt werden. Für Technik-Freaks: Das TONI ist mit einem D-Cinema-Projektor vom Typ „DCP 30 SX II - 2K“ ausgestattet worden. Standard- oder Hochleistungs-Xenonkolben bis 3000 Watt. Das ist schon ein Super-Bild.
163 Filme wurden eingesandt, 55 gelangten in die Vorführung. Und über 30 Autoren waren anwesend. Und der große Saal war voll. Erstaunlich jedoch, dass es, außer Mitglieder der FiViA, kaum andere Berliner Filmclubmitglieder den Weg in das "TONI" gefunden hatten. Kein Interesse?
Unter fachkundiger Leitung von Gunther Scholz konnte die internationale Jury ihr „Werkstatt-Gespräch“ starten.
Übrigens die Jury. Viele Teilnehmer haben gesagt, dass die diesjährige Jury es meisterhaft beherrschte, witzig, ja fast urig als auch sachlich prägnant die einzelnen Filme zu diskutieren. Es war schon interessant zu hören, wie Monika Hašková und Helmut Ludwig sich gegenseitig „die Bälle zuwarfen“, während Renate Epperlein und Gunther Scholz mehr den fachlich, sachlichen Part gaben. Alles in allem war man in der Wertschätzung einig, einen besonders starken Jahrgang an Filmen gesehen zu haben.
Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Dr. Torsten Kühne, Bezirksstadtrat für Kultur Berlin-Pankow, die Besucher am KurzFilmFestival. Er sagte u.a.,” Bei diesem Festival handelt es sich um eine kulturell herausragende Veranstaltung im Bezirk Pankow. Es knüpft an die über 100-jährige Tradition der frühere Filmstadt Weißensee an und dient dem kulturellen und künstlerischen Austausch von Filmemachern aus verschiedenen Ländern. Damit wird der Bezirk Pankow und Weißensee im Speziellen für drei Tage eine kleine Drehscheibe zwischen Ost- und Westeuropa, auf der sich Künstler und Filmemacher über ihre Länder, Hintergründe und Lebensrealitäten austauschen. Seit 20 Jahren ist es dem Verein ars cinema e.V. in bewundernswerter Weise – und unter erheblichen Anstrengungen – immer wieder gelungen, das Festival eigenständig zu organisieren. Der Bezirk freut sich über dieses bürgerschaftliche Engagement und den aktiven Beitrag im Sinne der kulturellen Vielfalt im Bezirk.” Er sicherte auch bei einem nächsten Jahrgang dieses Festivals seine Unterstützung zu.
Los ging es am Freitag mit: FLAMINGO PRIDE, die Geschichte des einzigen heterosexuellen Flamingos - sein verzweifelter Versuch Liebe zu finden. Eine Animation von Talking Animals, der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" und Tomer Eshed. Frau Cristina Marx, Festivals & Distribution, Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) "Konrad Wolf" teilte mir mit, dass dieser Film nicht nur gut sei, sondern auch state of the art, was digitale Animation angeht und genau genommen mit keinem anderen Hochschulfilmen vergleichbar ist. Es war der erste Animationsfilm überhaupt, der vom Medienboard Berlin-Brandenburg (=Filmförderung) gefördert wurde. Dem war nichts hinzuzufügen. Und auch die Zuschauer im Saal waren von dieser Animation sehr beeindruckt.
Witzig die Animation aus
der Tschechischen Republik von Eva Gargašová „Bylo nebylo /Once Upon a Time/ Es
war einmal“, eine Persiflage quer durch sehr viele Märchen, zauberhaft
gezeichnet, einfach umwerfend.
Es ist schon erstaunlich, was die Filmschulen so
produzieren.
Unbedingt erwähnenswert:
Der Film „Collision Prevent“
von Tobias Haase, ein Diplom-Film von der Filmakademie Baden-Württemberg. Er
spielt in der Zeit um die Jahrhundertwende 1900. Der neueste Mercedes fährt
durch eine kleine Stadt. Dank seines Kollisions-Warnsystems bremst er
rechtzeitig vor spielenden Kindern. Beim zweiten Crash kann er mit diesem
System das Fahrzeug nicht zum Halten bringen und überfährt einen spielenden
Jungen. Alles spielt in Braunau am Inn, mehr wird nicht verraten. Bemerkenswert,
dass der Daimler-Konzern sich von diesem Clip distanzierte. Ich hätte den
Filmemacher sofort einen Job in der Werbe- oder PR-Abteilung angeboten (der
Film ist bei vimeo zu sehen. Für Interessenten: Film in Vimeo
Der Samstag wurde mit einem
Film aus der Tschechischen Republik eröffnet: Zdeněk Patzenhauer mit seinem
Film „JAK UŠETŘIT / How to Save / Wie Einsparen“. Eine kleine, lustige
Geschichte über Transportmöglichkeiten von Vierbeiner mit der ČD, der Tschechischen
Staatsbahn. Flott erzählt und nicht schlecht gespielt. Man merkte den
Schwejkschen Humor.
Erwin Sprenger aus Österreich
erinnerte mit seinem Film „Die Brücke von Andau“ an die Vergangenheit. Besonders
hervorzuheben der gut gemachte Kommentar.
Wagemutig auch der Film „1942“
von Martin Mach aus der Tschechische Republik. Ein Mädchen mit einem Judenstern
rennt durch einen Wald und wird verfolgt von einem Soldaten in Uniform. An
einem Baum bleibt sie stehen. Der Soldat erreicht auch den Baum und beginnt zu
zählen. Man spielt „Fangen“ oder „Einkriegezeck“ (wie Berliner sagen). Die
damalige Zeit – 1942 - als Verwechselspiel? Ein gewagtes Experiment,
„Recycling“, ein Film von Branko
Istvancic aus Kroatien beschreibt das Leben von Minderheiten am Rande der
Stadt. Ein Fußball wird hier zur Metapher, der Junge findet seinen Ball auf dem
Laufband einer Recycling-Anlage wieder.
Unmöglich über alle Filme zu schreiben. Man muss
diese einfach gesehen haben. Wie sagten einige Zuschauer, die zum ersten Male
in dieser Dichte Filme von unabhängigen Autoren sahen? Ich hätte nie geglaubt,
dass der Amateurfilm dieses hohe Niveau hat.
Zwei Filme möchte ich doch noch hervorheben. „THE CLAY MAN“ von Aren Vatyan aus Armenien. Es war auch der Siegerfilm für unsere Schweizer Sponsoren. Ein alter Mann steht am Ende seines Lebens. Nur, er will noch nicht abtreten, da es noch genug zu überliefern gibt. UNICA-Gold 2013. Unglaublich der Darsteller, der bei der UNICA 2013 auch mit dem Sonderpreis „A Remarkable Actor“ ausgezeichnet wurde: Vahagn Grigoryan. Eine unbeschreiblich intensive Kameraarbeit. Auch die Jury kam ins Schwärmen. Glücklich nahm der Autor, welcher anwesend war, auch den Preis entgegen.
Karolina Błaszyk aus Polen
faszinierte mit ihrem Film „Będą kwitły sosny“ („Pines Will Bloom“ / „Pinien
werden blühen“). Ein kurzer Dokumentarfilm über die Zeit und das Engagement für
den Ort. Die Hauptfigur des Dokumentarfilms ist die 90-jährige Frau, die im
gleichen Haus in dem Dorf Budne in Podlachien (liegt im Nordosten Polens) lebt.
Ein ganz besonderes Kompliment an Angela Jehring.
Sie führte charmant durch das Programm, hatte für jeden Film eine kurze Synopse
und gab diese in Deutsch und Englisch bekannt. Eine große Erleichterung für den
Veranstalter.
Am Abend des Sonnabends gab es noch ein kleines
Symposium. Sehr intensiv wurde über Strukturen der Amateurfilmbewegung
gesprochen. Es sind schon gravierende Unterschiede zwischen den Ländern. Viele
der ehemaligen Ostblockländer erhalten noch eine staatliche Förderung, die aber
auch immer weiter zurück gefahren wird.
Wie schrieb Anke Zimmermann
von der Stiftung Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds? „Ein absolut unabhängiges
und von Quotenzwängen freies Experimentierfeld ist exakt jene Voraussetzung,
die gerade junge Filmemacher aus Mittel- und Mittelosteuropa als „Chronisten
ihrer Zeit“ benötigen, um sich mit unterschiedlichsten Formaten präsentieren und
inhaltlich ausprobieren zu können. Die verschiedenen (mitunter nationalen) Blickwinkel
und Perspektiven wirken dabei ebenso bereichernd wie die Möglichkeit,
über divergierende Lesarten und Rezeptionsweisen
im Rahmen eines persönlichen Treffens ins Gespräch zu kommen. Kultur ist ein
hohes und schützenswertes Gut, kultureller Austausch unbezahlbar. Ich hoffe und
wünsche dem Festival von Herzen, dass es auch in Zukunft möglich sein wird, die
Arbeit fortzusetzen! Im Rahmen seiner Möglichkeiten wird sich hoffentlich auch
der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds weiter einbringen. Dies würde ich mir
zumindest persönlich sehr wünschen“.
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
Siegerehrung im ABACUS Tierpark Hotel
Im wunderschönen Ambiente des
Hotels nach eine wunderbaren Frühstück konnte die Siegerehrung beginnen.
Gunther Scholz, Monika Hašková und Helmut Ludwig sowie Wolfgang Freier als "Verwalter" für die
UNICA-Medaille übernahmen diesen Part. Nach Rücksprache mit Fam. Hausammann von
der Fela AG wurde der Preis derselben an den „Besten Film des
KurzFilmFestivals“ an „THE CLAY MAN“ von Aren Vatyan aus Armenien überreicht.
Daran anschließend wurde „Für den lustigsten Film
des Wettbewerbes“ Ján Kuska, Luboš Trizna aus der Slowakei für die Filme „Zivotný
ıtýl sliepky“ /“Chicken Lifestyle“ / „Lebensstil eines Huhns“ und „Fén“ / „Hair
dryer“ /“Haartrockner“ ausgezeichnet. Diese nahm stellvertretend Frau Dr.
Zuzana Skoludova entgegen. Leider konnte diesmal Ján Kuska am Wettbewerb nicht
persönlich teilnehmen.
Zur UNICA-Medaille.
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| Jadwiga Puls erhält die UNICA-Medaille |
Wolfgang Freier, Conseiller bei
der UNICA, dankte im Namen des Komitees dem kürzlich verstorbenen Stanislaw
Puls für sein Jahrzehnte langes Engagement in unserer Dachorganisation. In seiner Botschaft schrieb der Präsident der UNICA, Georges Fondeur: "Stani
war zeitlebens eng mit unserem Filmhobby, seit den fünfziger Jahren mit dem
polnischen Verband, dessen Mitbegründer er war und dessen Mitstreiter er seither
geblieben war, verbunden. Wie kaum ein anderer hat er sich zeit seines Lebens
für das nichtprofessionelle Filmeschaffen eingesetzt, war selbst ein
begeisterter Filmautor und international anerkannter Juror bei vielen
Wettbewerben und Festivals. Seine große Liebe gehörte wohl aber der UNICA wo er
über 35 Jahre lang im Komitee tagte, davon zehn Jahre als Vizepräsident. Kein
Weg war ihm zu lang oder zu schwierig um an den Kongressen und Komitee-Sitzungen
teilzunehmen. Daselbst fand sein Wort stets Gehör und wir alle konnten viel von
ihm lernen, dank seiner Weisheit, seiner Kultur und seiner Intelligenz. Es ist
kaum vorstellbar dass wir ihm zuletzt 2013 am Kongress in Fieberbrunn begrüßen
durften."
Jadwiga Puls, seine Ehefrau, erhielt für ihre persönliche Unterstützung die
UNICA-Medaille.
Und was viele nicht wussten: Stanislaw Puls wurde Anfang Januar 2014 vom Bundespräsidenten Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für sein jahrzehtelanges Engagement in der Polnisch-Deutschen Freundschaftsgesellschaft geehrt.
Rolf Birn, Organisator der ANIMA
in Dresden, Seit 1982 (!!!) kommen über 30 junge Trickfilmer aus Deutschland
und Polen und aus einem Drittland wie Russland, Ukraine, Österreich, Tschechien
oder Georgien nach Dresden, um am internationalen Trickfilmworkshop ANIMA
teilzunehmen. Die ANIMA ist eine Begegnung junger Leute von 12-26 Jahren im
Rahmen einer Kreativ-Trickfilmwerkstatt. Ziel der Werkstatt ist das Kennen- und
Verstehen-Lernen Jugendlicher bei der intensiven Beschäftigung mit dem
Trickfilm im Kreis Gleichgesinnter. Die Teilnehmer setzen eine Woche lang unter
professioneller Anleitung ihre Trickfilmideen um.
2012 wurde die 30. ANIMA veranstaltet und kaum
einer hat es bemerkt.
31 Jahre lang eine
Trickfilmwerkstatt mit internationaler Beteiligung zu organisieren, zumal noch
mit Kindern und Jugendlichen, das erfordert nicht nur Ausdauer, sondern auch
viel, viel Herzblut. Schon die Visabeschaffung für Teilnehmer aus der Ukraine, aus
Russland um nur zwei Beispiele zu nennen, könnte einen Roman füllen.
Rolf Birn kann eigentlich nicht genug gedankt
werden für seine unermüdliche Arbeit, seinen Enthusiasmus. Und wie oft sind
finanzielle Zusagen nicht oder auch nur gekürzt eingehalten worden.
Völlig zurecht erhielt Rolf die UNICA-Medaille für
diese Verdienste, welche er sichtlich bewegt entgegennahm.
Zum Abschluss blieb es dann dem
Leiter des ars cinema berlin e.V. überlassen, das Schlusswort zu halten. Allen
Teilnehmern eine gute Heimreise, bleiben sie alle gesund, machen sie weiter so
tolle Filme. Ob es ein nächstes Mal gibt, ließ er allerdings offen.
RaHa







