Mittwoch, 21. Mai 2014

Bericht KurzFilmFestival 2014 in Berlin

Am 14. März war es wieder soweit. Im alt-ehrwürdigen Kino TONI in Berlin-Weißensee konnte das 20. KurzFilmFestival „Nachbarn bei Freunden“ stattfinden.

Natürlich stand ein Dankeschön an die Chefin des Kinos, Frau Manuela Miethe, an vorderster Stelle. Immerhin konnte der große Saal und die digitale Vorführtechnik genutzt werden. Für Technik-Freaks: Das TONI ist mit einem D-Cinema-Projektor vom Typ „DCP 30 SX II - 2K“ ausgestattet worden. Standard- oder Hochleistungs-Xenonkolben bis 3000 Watt. Das ist schon ein Super-Bild.

163 Filme wurden eingesandt, 55 gelangten in die Vorführung. Und über 30 Autoren waren anwesend. Und der große Saal war voll.  Erstaunlich jedoch, dass es, außer Mitglieder der FiViA, kaum andere Berliner Filmclubmitglieder den Weg in das  "TONI" gefunden hatten. Kein Interesse?

Unter fachkundiger Leitung von Gunther Scholz konnte die internationale Jury ihr „Werkstatt-Gespräch“ starten.

Übrigens die Jury. Viele Teilnehmer haben gesagt, dass die diesjährige Jury es meisterhaft beherrschte, witzig, ja fast urig als auch sachlich prägnant die einzelnen Filme zu diskutieren. Es war schon interessant zu hören, wie Monika Hašková und Helmut Ludwig sich gegenseitig „die Bälle zuwarfen“, während Renate Epperlein und Gunther Scholz mehr den fachlich, sachlichen Part gaben. Alles in allem war man in der Wertschätzung einig, einen besonders starken Jahrgang an Filmen gesehen zu haben. 


Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Dr. Torsten Kühne, Bezirksstadtrat für Kultur Berlin-Pankow, die Besucher am KurzFilmFestival. Er sagte u.a.,” Bei diesem Festival handelt es sich um eine kulturell herausragende Veranstaltung im Bezirk Pankow. Es knüpft an die über 100-jährige Tradition der frühere Filmstadt Weißensee an und dient dem kulturellen und künstlerischen Austausch von Filmemachern aus verschiedenen Ländern. Damit wird der Bezirk Pankow und Weißensee im Speziellen für drei Tage eine kleine Drehscheibe zwischen Ost- und Westeuropa, auf der sich Künstler und Filmemacher über ihre Länder, Hintergründe und Lebensrealitäten austauschen. Seit 20 Jahren ist es dem Verein ars cinema e.V. in bewundernswerter Weise – und unter erheblichen Anstrengungen – immer wieder gelungen, das Festival eigenständig zu organisieren. Der Bezirk freut sich über dieses bürgerschaftliche Engagement und den aktiven Beitrag im Sinne der kulturellen Vielfalt im Bezirk.” Er sicherte auch bei einem nächsten Jahrgang dieses Festivals seine Unterstützung zu.

Los ging es am Freitag mit: FLAMINGO PRIDE, die Geschichte des einzigen heterosexuellen Flamingos - sein verzweifelter Versuch Liebe zu finden. Eine Animation von Talking Animals, der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" und Tomer Eshed. Frau Cristina Marx, Festivals & Distribution, Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) "Konrad Wolf" teilte mir mit, dass dieser Film nicht nur gut sei, sondern auch state of the art, was digitale Animation angeht und genau genommen mit keinem anderen Hochschulfilmen vergleichbar ist. Es war der erste Animationsfilm überhaupt, der vom Medienboard Berlin-Brandenburg (=Filmförderung) gefördert wurde. Dem war nichts hinzuzufügen. Und auch die Zuschauer im Saal waren von dieser Animation sehr beeindruckt.
 Witzig die Animation aus der Tschechischen Republik von Eva Gargašová „Bylo nebylo /Once Upon a Time/ Es war einmal“, eine Persiflage quer durch sehr viele Märchen, zauberhaft gezeichnet, einfach umwerfend.
 
Es ist schon erstaunlich, was die Filmschulen so produzieren.

Unbedingt erwähnenswert:

Der Film „Collision Prevent“ von Tobias Haase, ein Diplom-Film von der Filmakademie Baden-Württemberg. Er spielt in der Zeit um die Jahrhundertwende 1900. Der neueste Mercedes fährt durch eine kleine Stadt. Dank seines Kollisions-Warnsystems bremst er rechtzeitig vor spielenden Kindern. Beim zweiten Crash kann er mit diesem System das Fahrzeug nicht zum Halten bringen und überfährt einen spielenden Jungen. Alles spielt in Braunau am Inn, mehr wird nicht verraten. Bemerkenswert, dass der Daimler-Konzern sich von diesem Clip distanzierte. Ich hätte den Filmemacher sofort einen Job in der Werbe- oder PR-Abteilung angeboten (der Film ist bei vimeo zu sehen. Für Interessenten: Film in Vimeo

Der Samstag wurde mit einem Film aus der Tschechischen Republik eröffnet: Zdeněk Patzenhauer mit seinem Film „JAK UŠETŘIT / How to Save / Wie Einsparen“. Eine kleine, lustige Geschichte über Transportmöglichkeiten von Vierbeiner mit der ČD, der Tschechischen Staatsbahn. Flott erzählt und nicht schlecht gespielt. Man merkte den Schwejkschen Humor.

Erwin Sprenger aus Österreich erinnerte mit seinem Film „Die Brücke von Andau“ an die Vergangenheit. Besonders hervorzuheben der gut gemachte Kommentar.


Wagemutig auch der Film „1942“ von Martin Mach aus der Tschechische Republik. Ein Mädchen mit einem Judenstern rennt durch einen Wald und wird verfolgt von einem Soldaten in Uniform. An einem Baum bleibt sie stehen. Der Soldat erreicht auch den Baum und beginnt zu zählen. Man spielt „Fangen“ oder „Einkriegezeck“ (wie Berliner sagen). Die damalige Zeit – 1942 - als Verwechselspiel? Ein gewagtes Experiment,


„Recycling“, ein Film von Branko Istvancic aus Kroatien beschreibt das Leben von Minderheiten am Rande der Stadt. Ein Fußball wird hier zur Metapher, der Junge findet seinen Ball auf dem Laufband einer Recycling-Anlage wieder.

Unmöglich über alle Filme zu schreiben. Man muss diese einfach gesehen haben. Wie sagten einige Zuschauer, die zum ersten Male in dieser Dichte Filme von unabhängigen Autoren sahen? Ich hätte nie geglaubt, dass der Amateurfilm dieses hohe Niveau hat.


Zwei Filme möchte ich doch noch hervorheben. „THE CLAY MAN“ von Aren Vatyan aus Armenien. Es war auch der Siegerfilm für unsere Schweizer Sponsoren. Ein alter Mann steht am Ende seines Lebens. Nur, er will noch nicht abtreten, da es noch genug zu überliefern gibt. UNICA-Gold 2013. Unglaublich der Darsteller, der bei der UNICA 2013 auch mit dem Sonderpreis „A Remarkable Actor“ ausgezeichnet wurde: Vahagn Grigoryan. Eine unbeschreiblich intensive Kameraarbeit. Auch die Jury kam ins Schwärmen. Glücklich nahm der Autor, welcher anwesend war, auch den Preis entgegen.

  
Karolina Błaszyk aus Polen faszinierte mit ihrem Film „Będą kwitły sosny“ („Pines Will Bloom“ / „Pinien werden blühen“). Ein kurzer Dokumentarfilm über die Zeit und das Engagement für den Ort. Die Hauptfigur des Dokumentarfilms ist die 90-jährige Frau, die im gleichen Haus in dem Dorf Budne in Podlachien (liegt im Nordosten Polens) lebt.


Ein ganz besonderes Kompliment an Angela Jehring. Sie führte charmant durch das Programm, hatte für jeden Film eine kurze Synopse und gab diese in Deutsch und Englisch bekannt. Eine große Erleichterung für den Veranstalter.

Am Abend des Sonnabends gab es noch ein kleines Symposium. Sehr intensiv wurde über Strukturen der Amateurfilmbewegung gesprochen. Es sind schon gravierende Unterschiede zwischen den Ländern. Viele der ehemaligen Ostblockländer erhalten noch eine staatliche Förderung, die aber auch immer weiter zurück gefahren wird. 

Wie schrieb Anke Zimmermann von der Stiftung Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds? „Ein absolut unabhängiges und von Quotenzwängen freies Experimentierfeld ist exakt jene Voraussetzung, die gerade junge Filmemacher aus Mittel- und Mittelosteuropa als „Chronisten ihrer Zeit“ benötigen, um sich mit unterschiedlichsten Formaten präsentieren und inhaltlich ausprobieren zu können. Die verschiedenen (mitunter nationalen) Blickwinkel und Perspektiven wirken dabei ebenso bereichernd wie die Möglichkeit, 
über divergierende Lesarten und Rezeptionsweisen im Rahmen eines persönlichen Treffens ins Gespräch zu kommen. Kultur ist ein hohes und schützenswertes Gut, kultureller Austausch unbezahlbar. Ich hoffe und wünsche dem Festival von Herzen, dass es auch in Zukunft möglich sein wird, die Arbeit fortzusetzen! Im Rahmen seiner Möglichkeiten wird sich hoffentlich auch der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds weiter einbringen. Dies würde ich mir zumindest persönlich sehr wünschen“.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.


Siegerehrung im ABACUS Tierpark Hotel


Im wunderschönen Ambiente des Hotels nach eine wunderbaren Frühstück konnte die Siegerehrung beginnen. Gunther Scholz, Monika Hašková und Helmut Ludwig sowie Wolfgang Freier als "Verwalter" für die UNICA-Medaille übernahmen diesen Part. Nach Rücksprache mit Fam. Hausammann von der Fela AG wurde der Preis derselben an den „Besten Film des KurzFilmFestivals“ an „THE CLAY MAN“ von Aren Vatyan aus Armenien überreicht.

Daran anschließend wurde „Für den lustigsten Film des Wettbewerbes“ Ján Kuska, Luboš Trizna aus der Slowakei für die Filme „Zivotný ıtýl sliepky“ /“Chicken Lifestyle“ / „Lebensstil eines Huhns“ und „Fén“ / „Hair dryer“ /“Haartrockner“ ausgezeichnet. Diese nahm stellvertretend Frau Dr. Zuzana Skoludova entgegen. Leider konnte diesmal Ján Kuska am Wettbewerb nicht persönlich teilnehmen.

Zur UNICA-Medaille.
Jadwiga Puls erhält die UNICA-Medaille
Wolfgang Freier, Conseiller bei der UNICA, dankte im Namen des Komitees dem kürzlich verstorbenen Stanislaw Puls für sein Jahrzehnte langes Engagement in unserer Dachorganisation. In seiner Botschaft schrieb der Präsident der UNICA, Georges Fondeur: "Stani war zeitlebens eng mit unserem Filmhobby, seit den fünfziger Jahren mit dem polnischen Verband, dessen Mitbegründer er war und dessen Mitstreiter er seither geblieben war, verbunden. Wie kaum ein anderer hat er sich zeit seines Lebens für das nichtprofessionelle Filmeschaffen eingesetzt, war selbst ein begeisterter Filmautor und international anerkannter Juror bei vielen Wettbewerben und Festivals. Seine große Liebe gehörte wohl aber der UNICA wo er über 35 Jahre lang im Komitee tagte, davon zehn Jahre als Vizepräsident. Kein Weg war ihm zu lang oder zu schwierig um an den Kongressen und Komitee-Sitzungen teilzunehmen. Daselbst fand sein Wort stets Gehör und wir alle konnten viel von ihm lernen, dank seiner Weisheit, seiner Kultur und seiner Intelligenz. Es ist kaum vorstellbar dass wir ihm zuletzt 2013 am Kongress in Fieberbrunn begrüßen durften."
Jadwiga Puls, seine Ehefrau, erhielt für ihre persönliche Unterstützung die UNICA-Medaille.
Und was viele nicht wussten: Stanislaw Puls wurde Anfang Januar 2014 vom Bundespräsidenten Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für sein jahrzehtelanges Engagement  in der Polnisch-Deutschen Freundschaftsgesellschaft geehrt.

Rolf Birn, Organisator der ANIMA in Dresden, Seit 1982 (!!!) kommen über 30 junge Trickfilmer aus Deutschland und Polen und aus einem Drittland wie Russland, Ukraine, Österreich, Tschechien oder Georgien nach Dresden, um am internationalen Trickfilmworkshop ANIMA teilzunehmen. Die ANIMA ist eine Begegnung junger Leute von 12-26 Jahren im Rahmen einer Kreativ-Trickfilmwerkstatt. Ziel der Werkstatt ist das Kennen- und Verstehen-Lernen Jugendlicher bei der intensiven Beschäftigung mit dem Trickfilm im Kreis Gleichgesinnter. Die Teilnehmer setzen eine Woche lang unter professioneller Anleitung ihre Trickfilmideen um.
2012 wurde die 30. ANIMA veranstaltet und kaum einer hat es bemerkt.
31 Jahre lang eine Trickfilmwerkstatt mit internationaler Beteiligung zu organisieren, zumal noch mit Kindern und Jugendlichen, das erfordert nicht nur Ausdauer, sondern auch viel, viel Herzblut. Schon die Visabeschaffung für Teilnehmer aus der Ukraine, aus Russland um nur zwei Beispiele zu nennen, könnte einen Roman füllen.
Rolf Birn kann eigentlich nicht genug gedankt werden für seine unermüdliche Arbeit, seinen Enthusiasmus. Und wie oft sind finanzielle Zusagen nicht oder auch nur gekürzt eingehalten worden.
Völlig zurecht erhielt Rolf die UNICA-Medaille für diese Verdienste, welche er sichtlich bewegt entgegennahm.

Zum Abschluss blieb es dann dem Leiter des ars cinema berlin e.V. überlassen, das Schlusswort zu halten. Allen Teilnehmern eine gute Heimreise, bleiben sie alle gesund, machen sie weiter so tolle Filme. Ob es ein nächstes Mal gibt, ließ er allerdings offen.
  





RaHa

Dienstag, 20. Mai 2014

Noch einmal GOLD für Diddi Schürtz



Beim BundesFilmFestival LOKALES am vergangenen Wochenende konnte Diddi Schürtz von der FiViA Berlin einen weiteren großen Erfolg einfahren. Sein Film „Ich und Du und Müllers Kuh…“ erhielt eine Goldmedaille und wird bei der DAFF zu sehen sein. Erinnern Sie sich noch? Das war der Jürgen Wolf, der eine Mühle in Marzahn / Hellersdorf betreibt und dabei über seine Arbeit berichtet.

Auch in Berlin beim Landeswettbewerb wurde der Film gut eingeschätzt.


Es ist schon unglaublich, mit wieviel Filmen unser kleiner Landesverband nicht nur bei den BundesFilmFestivals sondern nun auch bei der DAFF vertreten sein wird. Große Klasse!

Allen noch einmal ein herzliches Dankeschön und wir LVV-ler drücken die Daumen.


RaHa