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Dienstag, 7. November 2023

Bericht: Landesfilmfestival Berlin / Brandenburg 2023

Zum Höhepunkt des Landesverbandes trafen sich etwa 60 Filmautoren und Zuschauer am ersten Samstag im November im bewährten Kino Toni. Auf 16 Filme im Wettbewerb – Doku, Fiktion, Natur- und Reisefilm – machte traditionsgemäß Angela Jehring mit ihrer Ansage neugierig.

Sehr berührt hat mich gleich der erste Beitrag über vier Orte des Mahnens im Baltikum und die Hintergründe mit Grausamkeiten.

Informativ und unterhaltsam waren auch die nächsten Filme. Die vielen ehrlichen Antworten auf die Frage: „Wer passt auf dich auf?“ regten zum Nachdenken an. Schüler ließen sich vom Geist des Namenspaten ihrer Schule, Rouanet – dem ehemaligen französischen Soldaten in der Potsdamer Garde und späteren Senator und Stadtkämmerer sowie Retter der Stadt 1813 im Napoleonischen Krieg – zu allerlei Begegnungen inspirieren. Es folgte ein sehr gelungener kurzer Film, der mit viel Symbolik die Tragik und Geschichte der Berliner Mauer zeigte. Wir erfuhren die Verwandlung vom Saulus zum Paulus und folgten sehr anschaulich seinen Spuren bis nach Rom. Des weiteren war ein Pärchen zu erleben, das auf unterschiedliche Art und Weise ein gekochtes Ei isst und letztlich mit Augenzwinkern zueinander findet.

Interessant fand ich den Ursprung des Puppenspiels und Kaspers als Kampf gegen Tod und Teufel und seine unterschiedlichen Arten im Gespräch mit dem Direktor des Museums in Bad Liebenwerda. Einblicke bekam ich in das 50-jährige Schaffen des Berliner Fotografen Fred Baumgart, der nicht nur in seinem Kiez bekannt ist. Er fotografierte Politiker und Künstler und ist seit 10 Jahren Mitglied eines Arbeitskreises Aktfotografie. Unterhaltsam war der Rückblick eines Filmamateurs auf seine Entwicklung, der auch eigene Erinnerungen weckte. Schöne Bilder mit treffenden Kommentaren vermittelten Filme über Grönland und das südliche Afrika.Juryleiter Dr. Frank Dietrich ernannte die Diskussion zu einer Aufklärungsrunde durch geschulte Filmeschauer, die manche Dinge anders oder auch viel mehr sehen. Und so war es auch. Renate Korte, Adalbert Becker und Dennis Gerecke brachten mir bei einigen Filmen Licht ins Dunkle. Sie lobten Handwerk, Dramaturgie, Schauspiel, gaben aber auch Hinweise, was Filmlänge und Inhalt betraf, um nächste Vorhaben zu verbessern.

Ein herzliches Dankeschön den Jurymitgliedern, den Organisatoren Filmclub Reinickendorf und Dietmar Schürtz, dem Verein Freunde des Kino Toni e.V. für seine finanzielle Unterstützung sowie den Helfern und Mitarbeitern des Kinos.

Die Ergebnisse sind auf der Internetseite des Landesverbandes zu sehen.

Mit zwei Trailern wurde auf die nächsten Veranstaltungen aufmerksam gemacht:
12. Januar 2024 in Berlin im Theater am Park: Multimediashow über Grönland
20. April 2024 in Senftenberg: 31. Deutscher Minutenwettbewerb mit Best of OSTINALE 2023.


Uschi Wicke









Dienstag, 28. März 2017

Senftenberger Kurzfilmtage



Leidenschaften


Diese menschliche Gefühlswelt, sich für etwas zu begeistern, bestimmten die diesjährigen Senftenberger Kurzfilmtage vom 24. bis 27. März.
Traditionsgemäß begrüßte der Festivalleiter Michael Franke in der Neuen Bühne wie immer sehr charmant die Gäste. Auch der Bürgermeister der Stadt Andreas Fredrich ließ es sich nicht nehmen, uns in der Lausitzer 6-Seenstadt herzlich willkommen zu heißen und enthusiastisch über sie zu sprechen.
24 Autoren hatten ihre Werke zum Thema „Leidenschaften – die begeistern“ eingereicht. Und ohne ihre leidenschaftliche Filmerei wäre nicht nur mir so manches verborgen und unbekannt geblieben.
So wurde mit Begeisterung das eigene Hobby – wie beim Klettern in der Steilwand oder beim Tauchen südlich von Marsa Alam – gefilmt, aber auch die Lieblingsbeschäftigung, das Talent oder Engagement ihrer Protagonisten festgehalten und bei der Ausübung begleitet.

Wir hatten ein vielseitiges Programm, das uns an sportlichen Anforderungen beim Radfahren, Basketball, einem Wettkampf beim Straßenboßeln und einer Fanfamilie von München 1860 teilnehmen ließ. Liebhaber aus Gütersloh zeigten ihre Oldies von LKW und Kleinflugzeugen. Wir sahen wie Holzschnitzer dem Wald durch ihre Skulpturen noch „Schönes hinzufügten“, konnten dem Ensemble Flügelschlag bei der Probe, Drehorgelspielern, dem Flötenunterricht von der 1. bis 4. Klasse und der Klangschalen-Massage mit Demenzkranken lauschen, aber auch die herrlichen Kostüme und die Begeisterung beim zweitgrößten Karneval der Welt in Santa Cruz de Teneriffa sehen.
Beobachtet haben wir leidenschaftliche Bewegungen bei einem Flirt, den Kampf zweier „Spinnen“frauen um ihr Opfer Mann, aber auch des Werkelns mit verschiedenen Materialien einer dritten Klasse.
Die unterschiedliche Begegnung mit Wasserwelten bei einem internationalen Sommercamp von Schülern in der stillgelegten Brikettfabrik Luise haben wir miterlebt, und wohnten sogar einem sehr emotionalen Glaubensbekenntnis auf den Philippinen bei.
Wir sahen einem Aktfotografen und einem Schmied zu, der aus Damaszener Stahl ein Messer fertigte, sowie einem Modelleisenbahner, der die Mariazeller Lok E 1099 nachbaute.
Auch ein „Krimi“ mit schönen Landschaftsbildern von Island und Erklärungen, was Menschen aus unterschiedlichen Berufen unter Leidenschaft verstehen und ihr frönen, fehlte nicht.
Die Jury, die die Filme gut beurteilte und viele Tipps gab, hatte es gar nicht leicht, die Gewinner der Lausitzer Findlinge in Gold, Silber und Bronze zu bestimmen.
Juroren waren: Maren Simoneit, Dramaturgin an der Neuen Bühne Senftenberg und bereits 2016 in der Jury, Hans Hikisch von der FiViA Berlin und Manfred Hennig vom Ausrichter. Als Juryleiter agierte in bewährter Weise Dr. Frank Dietrich ebenfalls von den Videofilmern Senftenberg.
Für die „Lausitzer Findlinge“ waren nominiert:
„Im Reich des Steinbocks“ von Bergit und Jürgen Bergmann aus Berghaupten
„Berührungen“ von Michael Preis aus Dortmund
„Mariazeller Bahn E 1099“ von Erwin Sprenger aus Wien
„Die „Alten Herren“ von Langebrügge“ von Hans-Jürgen Schekahn aus Edewecht
„Arachne“ von Dave Lojek und Dieter Leitner aus Berlin
„Eine neue Herausforderung“ von Christl und Erich Herold aus Singen

Gewinner wurden die Beiträge:
Gold - „Die „Alten Herren“ von Langebrügge“ von Hans-Jürgen Schekahn aus Edewecht
Silber - „Eine neue Herausforderung“ von Christl und Erich Herold aus Singen
Bronze - „Arachne“ Dave Lojek (Berlin) und Dieter Leitner (Graz)

Sonderpreise des Veranstalters erhielten:
„Im Reich des Steinbocks“ von Bergit und Jürgen Bergmann aus Berghaupten
„Tauchen südlich von Marsa Alam“ von Elke Eckardt aus Freiberg
„Mit des Geschickes Mächten...“ ein 1-Minutenfilm von Heino Rocker aus Wiesmoor, der gleichzeitig mit seinen 88 Jahren auch ältester Autor war.

Für 24. Deutschen Minutenwettbewerb wurden diesmal leider nur 19 Filme eingereicht. Die Reihenfolge für den Vorentscheid wurde öffentlich ausgelost. Nach der Vorführung eines Beitrages hatte dann das Publikum die Möglichkeit, Punkte von 1- 5 zu vergeben. 
Der Auswertung der 76 Bewertungsbögen konnte man zum ersten Mal zusehen. Ich nutzte diese Chance und beobachtete, wie genau an vier PCs die Punkte eingegeben wurden. Die 16 Besten kamen dann in die vier Lostöpfe und wurden wieder vom Publikum für die Paarung im K.-o.-System ausgelost.
Dann musste man sich immer für einen von dem Paar entscheiden. Was so manchem nicht leicht viel.
Bei den Deutschen Filmfestspielen „Obelisk“ in Radolfzell werden folgende Filme gezeigt:
„Das Schnäppchen“ von Hans-Jürgen Schekahn (Edewecht)
„Unser Hochzeitstag“ von Wolfgang Jahn (Senftenberg)
„Ausfahrt freihalten“ von Reza Shakory (Markgröningen)
„Das Verhör““ von den Videofilmern Senftenberg
„Im Zentrum der Macht“ von Manfred Hennig (Bad Liebenwerda)
„Sahneschnittchen“ von Dr. Frank Dietrich (Kleinkoschen)
„Mit des Geschickes Mächten...“ von Heino Rocker(Wiesmoor)
„Logisch“ von Michael Franke(Großräschen)

Für die Meisterschaftsmedaillen kürte das Publikum:
Gold - „Sahneschnittchen“ von Dr. Frank Dietrich (Kleinkoschen)
Silber - „Das Schnäppchen“ von Hans-Jürgen Schekahn (Edewecht)
Bronze - „Ausfahrt freihalten“ von Reza Shakory (Markgröningen) und
„Das Verhör““ von den Videofilmern Senftenberg

Für den seit Jahren geschaffenen Kunstpreis wurden nominiert:
„Die Minute“ von Udo Heuberger (Kleinkoschen)
„Rund um Marokko“ von Dr. Frank Dietrich (Kleinkoschen)
„Das Spiegelbild des eitlen Herrn“ von Marc Eggers(Bonn)
„Hast du mal ne Minute“ von Dennis Gericke (Berlin
„Im Zentrum der Macht“ von Manfred Hennig (Bad Liebenwerda)

Gewinner ist: „Im Zentrum der Macht“ von Manfred Hennig (Bad Liebenwerda)

Obwohl im Festivaltitel der Begriff „international“ nicht mehr auftauchte, brauchten wir auf internationale Filme nicht verzichten. Für einen Block „Der Besondere Film“ hatte Alexander Haase 110 Filme gesichtet. Sechs Beiträge aus Großbritannien, Deutschland, Indien und den USA, wurden mit einer kleinen Einführung von ihm vorgestellt und gezeigt. Eine gute Ergänzung zum bisher Gesehenen. Vielen Dank dafür. Alexander hat mit Bravour seine Co-Moderation gemeistert.

Wenn man bei den Videofilmern Senftenberg zu Gast ist, geht es nicht ohne kulturelle Höhepunkte. So bekamen wir am Sonnabendmittag von „Naatsumi Taiko“ tüchtig etwas auf die Ohren. Seit ich zum ersten Mal bei der EXPO 2000 in Hannover ein Trommlerkonzert hörte, bin ich leidenschaftlicher Fan dieser Klänge. So haben und ich denke nicht nur mir – wie es der Beifall zeigte - mit den Schlägen die 10 Meistertrommler eine große Freude bereitet.
Am Abend lud uns der Schauspieler Friedrich Rößiger von der Neuen Bühne mit Feuereifer zu einem kleinen Programm ein. Bei seinen Couplets wurde er hervorragend am Klavier von Shesa Shan begleitet.
Viel Spaß hatten wir mit der Geschichte von seinem Schulfreund Kalle, der einen runden Geburtstag feierte, aber zu Silvester nicht eine gefallene Frau, sondern das Bier rettete. Er besang von Georg Kreisler voller Leidenschaft das herrliche und göttliche Weib, das weder kochen, noch lesen, schreiben, denken, tanzen und singen kann, trotzdem herrlich ist. Amüsiert haben wir uns auch über seine Probleme, die eigene Frau loszuwerden, aber dazu nicht fähig ist, und vom Krawatte binden und Kaffeebestellen bei so vielen Möglichkeiten. Auch eine kleine Lektion zu Thema Freiheit, wessen wo und wann gilt, und in Fremdsprachen, wenn es gilt einer Frau die Liebe zu gestehen, erhielten wir. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt.
Auf Grund des frenetischen Beifalls ließ er uns noch mit einem Lied in seine Vergangenheit blicken, in die 90er Jahre mit Love-Parade, Gedichte schreiben und allem mehr, die aber leider vorbei sind.
Zur Siegerehrung ging es wieder wie gewohnt in die Umgebung. Die Orangerie am Schloss Altdöbern war das Ziel für noch verbliebene 43 Filmer von insgesamt 220 Besuchern an den drei Tagen.
Die Chefin der Orangerie und Besitzerin des barocken Gartens erzählte begeisternd den schwierigen Weg von der Gärtnerin hier zu DDR-Zeiten bis zur Eröffnung des Cafes, dass zu ihrer Freude auch sehr gut angenommen wurde. Mir hat die gesamte liebevolle Gestaltung in der Orangerie und im Garten sehr gut gefallen.
Nach der Siegerehrung bei einem Glas Sekt und Häppchen lud uns der Festivalleiter zur Schlossbesichtigung (leider nur von außen) und in den großen schönen Landschaftspark ein, der nicht nur zur Rhododendronblüte ein wahres Kleinod der Niederlausitz ist. Auch beim Schloss ging es leidenschaftlich zu, denn die wechselnden Besitzer haben es nach ihrem Geschmack immer wieder umbauen lassen. So wurde aus einer frühdeutschen Wasserburg ein Renaissance- und später auch Barockgebäude und durch den späteren Anbau ist es ein merkwürdiges Stilgemisch, das zurzeit im Innern restauriert wird.
Der Clubvorsitzende Jürgen Hasse dankte Michael Franke für seine umfangreiche Arbeit. Dem schließe ich mich an und sage auch Dank allen Clubmitgliedern, die sicher mit viel Leidenschaft bei der Vorbereitung und Durchführung der Kurzfilmtage dabei waren.
Für das Jubiläumsfestival im nächsten Jahr, das vom 13. bis 15. April stattfinden wird, wünschen sich die Videofilmer Senftenberg viele fleißige leidenschaftliche Autoren.
Einsendeschluss für die 10. Senftenberger Kurzfilmtage und den 25. Deutschen Minutenwettbewerb ist der 8. März 2018.


Uschi Wicke, ars cinema berlin e.V.